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Das Rätsel ist gelöst

Da war er nun, der 2. Juni 2021. Der „Kennenlern-Jahrestag“ von meinem Mann und mir. Vier Jahre sind wir nun zusammen, drei davon verheiratet. Ich werde den Moment nie vergessen als wir uns das erste Mal vorm Parkhaus in Klagenfurt getroffen haben. Wir wussten beide, es war die große Liebe auf den ersten Blick. Ich freute mich wie immer sehr auf diesen besonderen Tag, schon Wochen vorher. Aber ich wusste nicht, wie besonders er dieses Jahr werden würde.


Vor einer Woche erhielt ich einen Anruf aus dem Klinikum Klagenfurt. Ich fühlte mich im März 2021 endlich bereit, auf die Suche nach meinen zwei Sternenkindern zu gehen. Ich frage mich täglich, wo die beiden hingekommen sind. Stehen sie noch irgendwo in einem Glas herum? Sind sie medizinischer Abfall gewesen und wurden entsorgt? Wurden sie Sammelbestattet?

Die Abteilungsleiterin vom Bereich der Pflege, welche auch die Leitende Hebamme im Haus ist hat wollte mir all meine Fragen beantworten und lud mich dahingehend zu einem persönlichen Gespräch ein. Ich finde es sehr wertschätzend, dass ich nicht per Mail oder per Telefon abgefertigt wurde. Dieses Gespräch fand am Mittwoch, dem 02.Juni 2021 statt.


Mich empfing eine freundliche Dame, welche wirklich sehr bemüht war. Ich hatte von Anfang an das Gefühl, dass sie sehr empathisch ist und sich auch gut in meine Situation hineinfühlen kann. Das gab mir viel Sicherheit und Kraft da ich ja nicht wirklich wusste was mich erwartet. Sie hatte auch seitens meiner nicht so schönen Erlebnisse rund um das Klinikum ein offenes Ohr. Weiters hatte sie sich auch mit meinem „Fall“ und meiner Krankengeschichte auseinandergesetzt.


Sie nahm sich Zeit und erklärte mir in Rücksprache mit der Pathologie, dass meine zwei Sternchen noch dort wären. Mit dem hätte ich absolut nicht gerechnet. Ich war total erleichtert und freute mich sehr. Es verging wie bereits oben erwähnt seit den Operationen kein Tag, an dem ich mich nicht fragte, wo die beiden sind. Nun hatte ich endlich eine Antwort. Die Dame gab mir auch gleich den Kontakt von der Pathologie weiter mit denen ich mich auch sofort in Verbindung setzte. Eine Biomedizinische Analytikerin von der Pathologie war so nett und menschlich, dass es für mich wirklich, wie ein Spaziergang war meine zwei Kleinen endlich abholen zu können. Sie bat mich, ihr schriftlich zu bestätigen, dass ich sie mitnehmen möchte. Ich fuhr dazwischen zur Bestattung in Annabichl. Dort hatte ich schon vorab einmal sehr nette Gespräche betreffend meine gemeinnützige Organisation und auch dort fühlte ich mich gut aufgehoben. Ich vereinbarte mit dem zuständigen Herrn dort ein Gespräch betreffend die Verabschiedung für 13.30 Uhr. Da ich den ganzen Tag auch mit Terminen rund um Wandelstern verplant war musste ich wieder einmal mit meinem Organisationstalent herum jonglieren und ehrlich gesagt war es auch gut, dass ich so eingeteilt war und gar nicht richtig realisierte was da jetzt gerade wirklich alles passiert.


Um 12:30 Uhr durfte ich meine zwei Sternchen auf der Pathologie abholen. Ich bettete die beiden in ihre Erinnerungskiste – zusammen in ein Stoffsäckchen mit Sternen. Sie sollen zusammenbleiben. Und so fuhr ich mit ihnen zur Bestattung. Der Herr dort nahm mich glaub ich mittlerweile nicht mehr für ganz voll da ich mit meiner Kiste in der Maximilian und Maria waren ihm doch etwas makaber erschien. Außerdem ist es nicht das gewohnte Prozedere – die Bestattung holt eigentlich in solchen Angelegenheiten immer alles selbst bei der Pathologie ab. Aber er war wirklich sehr bemüht, telefonierte gleich überall herum und brachte mich persönlich zur Friedhofsverwaltung.


Ich ging mit Maximilian und Maria in ihrer Kiste durch den ganzen Friedhof. Er fragte mich: „Wollen Sie die Box nicht in das Auto legen?“ Meine Antwort: „Nein, ich habe so lange auf die beiden gewartet, ich trag sie jetzt weiter mit mir herum, und außerdem sollen sie doch auch schauen, wo sie ihre letzte Ruhestätte haben werden!“

Wenn ich jetzt so daran denke, klingt es wirklich irgendwie komisch, aber es war in diesem Moment das einzig richtige für mich. Bei der Friedhofsverwaltung wurde ich an einen weiteren netten und bemühten Herrn übergeben, der sich mit mir auf die Suche nach einer Grabstätte machte. Für mich war aber ganz klar, dass die beiden auf den Kinderfriedhof kommen sollen. Dort hatten wir schon den Gedenkplatz für sie errichtet. Ich saß unzählige Stunden dort mit meinem Mann und wir haben so oft dort geweint und an die beiden gedacht. In diesem Platz und an diesem Ort steckt so viel Energie, Liebe, Hoffnung und so viele Emotionen und Gedanken von uns. Unter dem Baum konnte ich mir eine schöne Stelle aussuchen, an der wir die beiden nächste Woche verabschieden werden. Ich kann es immer noch nicht glauben, dass wir nach über zwei Jahren Maximilian und Maria endlich beerdigen dürfen.



DANKE an alle, die es uns ermöglicht haben. Ihr wisst gar nicht, wieviel uns das bedeutet.

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