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Interkulturalität

Im Rahmen meines Diplompraktikums verschlug es mich nach Wien. Ich wusste, ich wollte über die Lebe-Sterbe-Trauerbegleitung in der Interkulturalität schreiben aber in Kärnten boten sich mir nicht so viele Möglichkeiten wie in der Hauptstadt von Österreich. Und so bezog ich ein WG-Zimmer bei Freunden in der Nußdorferstraße im 9. Gemeindebezirk. Mein Diplompraktikum absolvierte ich im Geriatriezentrum am Wienerwald. Der dort zuständige Stationspfleger war wirklich jemand, zu dem ich aufgeschaut habe. Er ging so wertschätzend mit dem gesamten Krankenhauspersonal und den Patienten und Patientinnen um. Auch mit mir als Praktikantin. Ich konnte wirklich frei arbeiten und bekam viele Möglichkeiten und Einblicke unter anderem zum Beispiel durfte ich in der Pathologie mitarbeiten. So konnte ich wertvolle und prägende Erfahrungen in vielen Bereichen sammeln.

Meine Recherchen zur Interkulturalität führten mich zu den verschiedenen Religionsgemeinschaften. Die langen Spaziergänge am Wiener Zentralfriedhof und in meinem Lieblingsfriedhof in St. Marx bleiben mir auf ewig in Erinnerung.

Als erste Institution luden mich die Zeugen Jehovas in ihren Königsreichssaal in der Nähe von meiner Praktikumsstelle ein. Dort empfingen mich zwei Herren mittleren Alters die mir Rede und Antwort standen. Sie waren äußerst bemüht mir so wertfrei als möglich ihre Sichtweise rund um die Thematik zu schildern.

Für mich war es sehr interessant. Weiters gab es dort ein Museum in dem sie mich herumführten. Als Abschluss bekam ich noch eine DVD geschenkt mit einem Film der erklärt, warum sie Bluttransfusionen ablehnen.


Mein zweiter Termin führte mich zum islamistischen Friedhof in Liesing (23. Bezirk). Dieser war damals recht neu - er wurde erst 2008 eröffnet. Das Telefonat mit dem Herrn, mit dem ich mich dort treffen sollte war etwas eigenartig. Ich hatte das Gefühl, dass es ihm meine Fragen nicht so recht waren. Als ich aber dann dort war hatten wir ein sehr positives, wertschätzendes und aufschlussreiches Gespräch.


Aufgrund meiner Verbundenheit zu Israel war es mir auch wichtig, die Weltreligion Judentum genauer anzuschauen. Ich habe sehr viele jüdische Freunde und durfte auf der ein oder anderen Beerdigung mit dabei sein.

Bei der israelischen Kulturgemeinde im 15. Bezirk sprach man mit mir ganz offen über die Trauer- und Sterberituale im Judentum. Auch hier fühlte ich mich sehr willkommen. Ich besuchte auch den jüdischen Friedhof in Währing. Neben dem Sankt Marxer Friedhof ist er der letzte erhaltene Friedhof Wiens im Stil des Biedermeier.


Natürlich war auch aufgrund meines eigenen Bezugs zum Buddhismus und Hinduismus für mich sehr wichtig. Das Buddhistische Zentrum am Fleischmarkt empfing mich auch mit offenen Armen. Hier fühlte ich mich sofort zu Hause. Ich durfte auch an einer buddhistischen Beisetzung teilnehmen und war ganz begeistert denn es wurde nicht getrauert, sondern gefeiert.


Meine Diplomarbeit, das Diplompraktikum sowie die gesamte Diplomprüfung habe ich mit ausgezeichnetem Erfolg abgeschlossen. Es berührte mich sehr, was ich in dieser Zeit alles erleben durfte und am meisten berührte mich aber die Offenheit und Ehrlichkeit in jeder einzelnen Kultur.


Später arbeitete ich ein paar Jahre lang mit Asylwerbern sowie Menschen mit Migrationshintergrund. Auch hier kam mir mein Vorwissen betreffend der Interkulturalität zu Gute. Die Arbeit war stressig, ständig stand ich vor einer neuen Herausforderung - dazu noch die Sprachbarriere.

Heute bin ich dankbar dafür, wieviel Liebe und Wertschätzung ich von den Menschen die ich betreuen durfte zurück bekam. Mir wurde immer wieder erneut bewusst, wie wichtig es ist offen zu sein. Offen für Neues.

Offen für andere Kulturen. Wir können so viel von- und miteinander lernen.



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