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Muttertag

Da war er dann wieder, der Tag vor dem ich mich nach wie vor etwas fürchtete - Muttertag. Das ganze Bauchweh über den Schmerz und Verlust meiner eigenen Mutter, über die zwei Kinder die ich verloren hatte aber auch der erste offizielle Muttertag gemeinsam mit Sophie und Simon. Voriges Jahr um diese Zeit war Simon ja noch mein Bauchbewohner. Mich erwischte es am Samstag schon ziemlich mit all den Emotionen und ich spazierte mit meinem kleinen Sohn zur Gedenkstätte von Maximilian und Maria. Ich holte ihn aus seinem Kinderwagen und setzte mich mit ihm am Schoß in die Wiese.

Plötzlich kam uns ein Eichkätzchen und eine Amsel ziemlich nahe. Simon quietschte ganz vergnügt und aufgeregt. Seit wir da am Boden vor der Gedenkstätte saßen und ich natürlich weinte verging keine Sekunde in der er nicht von ganzem Herzen lachte. Es war ganz ein eigenartiges Gefühl. So, als wären wir nicht allein. Mir fiel wieder ein, dass Kinder generell einen anderen Zugang zum Thema Tod und Sterben haben. Im Rahmen meiner Ausbildung durfte ich da ganz viele schöne Erfahrungen machen und mir wurde immer wieder bewusst, dass viele Kinder Dinge wahrnehmen können die wir vielleicht gar nicht mehr registrieren. Sie sind noch so feinfühlig und offen - nicht so abgestumpft wie wir Erwachsenen es zum Teil leider schon sind. Also freundete ich mich damit an, dass wir hier nicht alleine waren und dass Simon vielleicht etwas sehen kann was ich nicht mehr sehen kann / darf / soll.

Es ging ein leichter Wind, die Windräder am Kinderfriedhof klapperten um die Wette. Wir bekamen dann noch lieben Besuch von Margot, Harald und ihrem Sohn Jonathan. Sie übergaben uns wunderschöne Blumen für Maximilian und Maria. Wenn eine Blume für die Unsterblichkeit steht, dann ist es die Calla. Die sanft geschwungenen weißen Blüten wurden bereits in früheren Zeiten als ein Symbol für das ewige Leben gesehen. Ich war sehr berührt darüber.


Am Sonntag durfte ich ausschlafen - und mich erwartete ein schön gedeckter Frühstückstisch mit selbstgebastelten Geschenken. Trotz allem kämpfte ich sehr mit der Tatsache, dass wir eigentlich nicht zu viert, sondern zu sechst hier sitzen würden. Ich frage mich, ob sich das irgendwann ändert. Dieses Gefühl der Leere die nach wie vor einen Teil von meinem Körper bewohnt.

Wir fuhren zu Mittag zu meiner Familie ins Lavanttal, es ist schön, dass FAMILIE dort wirklich noch gelebt wird. Ich genieße die Zeit dort immer sehr. Es gibt immer wunderbares Essen, das Zusammensitzen gibt Kraft und es ist einfach so herrlich unbeschwert. Dafür bin ich dankbar. Natürlich steht dann auch ein Besuch am Grab meiner Mutter an und ich zünde auch gerne eine Kerze bei Thomy an, der sich als ich 14 Jahre alt war das Leben genommen hat.


Abends besuchten wir noch kurz gemeinsam den Friedhof in Annabichl um an unsere Sternchen zu gedenken. Heuer gab es eine ganz besonders nette Idee von Frau Ferlic - bemalte Steine als Muttertagsgeschenk für Sternenmamas. Diese waren in einem Glas auf der Bank am Kinderfriedhof anzufinden und standen dort zur freien Entnahme. Sophie war ganz begeistert davon und mich berührte diese Idee und die Umsetzung sehr. Ich bin immer so dankbar, wenn Menschen rund um diese Thematik tätig werden und schätze dieses Engagement sehr.


Was übrig bleibt an diesem doch sehr schönen Tag ist trotzdem ein Teil von Leere in mir die wohl nie mehr aufgefüllt werden wird. Denn mit Maximilian und Maria ist auch ein Teil von mir gestorben.


"Zeit heilt alle Wunden." Diesen Satz kann ich so nicht stehen lassen. Zeit heilt nicht automatisch. Der Schmerz, dieser Moment des Entsetzens und der grenzenlosen Verzweiflung, der ist immer wieder spürbar. Ich trage auch ihn in meinem Herzen, ebenso wie die Erinnerung an meine Kinder, die nicht leben durften.


Aber dieser Schmerz beherrscht nicht mehr meinen Alltag. Es darf wieder Frühling werden. Ich lerne, Frieden zu schließen mit der eigenen Geschichte und anzuerkennen, dass das, was uns geschieht, zu uns gehört. Ohne nach dem Warum zu fragen. Ohne mich mit anderen zu vergleichen. Aber auch andere teilhaben zu lassen an meinem Leben. Ich entscheide ob nur an den Höhen oder manchmal auch an den Tiefen.




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