Pfirti Onkel Ludwig

Aktualisiert: vor 6 Tagen

Stille…. Ganz viel Stille die letzten Wochen. Vier Wochen um genau zu sein. Ich bin überaus dankbar, dass ich gemeinsam mit meiner Herzensmama meinem Herzens Papa, Onkel Ludwig in seinen letzten Stunden beistehen durfte. Als mich die Nachricht, er sei auf die Intensivstation eingeliefert wurden auf der Rückfahrt der Sternenkindtagung von Rainer und Vera Juriatti von „Mein Sternenkind“ in Graz erreichte fuhr wie die Feuerwehr über die Pack nach Hause – ein kurzes Intermezzo in unserer neuen Wohnung voller Chaos und voller Schachteln. Ein Abklatschen mit meinem Sohn und meinem Mann. Ich machte mich sofort auf nach St. Veit, um in erster Linie meiner Tante Ulli beistehen zu können und auch für meinen Onkel Ludwig da sein zu können. Ein paar Wochen zuvor brachte ich meinen Herzens Papa ins Krankenhaus – nie werde ich diese Fahrt nach St. Veit vergessen. Er sagte mir ganz bestimmt, er könne nicht mehr. Seine Krankheit raubt ihm die letzte Kraft. Ich kämpfte die gesamte Fahrt mit den Tränen. Es war hart, unglaublich hat. Aber wie gesagt ich hatte die Zeit, mich vorzubereiten. Aufgrund meiner Erfahrung in der Sterbebegleitung wusste ich, dass er nicht mehr lange zu leben hatte. Aber es tat so unglaublich weh es zu realisieren. Und da war er dann, der Tag, an dem ich meinen inneren Plan, den ich für diesen Tag entworfen habe, anwenden musste – voller Schmerz, voller Tränen – einfach funktionieren.


Der 01.10.2022. Auf der Intensivstation war mein Herzens Papa Ludwig noch ansprechbar, er lächelte mich an, zog die Atemmaske runter und sagte „Was tust du denn da?“ und meine Antwort war unter Tränen „Ich hab dir versprochen, ich lass dich nicht alleine“. Gut ein Jahr hat er mehr als tapfer gekämpft. Er hat seinen Frieden gefunden. Für uns war es jedoch der Horror. Ich habe mittlerweile jeden Tag mit dem Tod zu tun, aber wenn es dich dann selbst betrifft, zieht es dir wieder und wieder den Boden unter den Füßen weg.

Dankbar, dass mein Herzens Papa auf uns gewartet hat waren wir in der Nacht die letzten Minuten bei ihm und begleiteten ihn, bis er friedlich einschlafen konnte. Wir durften noch neben ihm bleiben, uns verabschieden, ihm erzählen, was uns am Herzen lag.


Alles war verschwommen. Alles war so schwer und schmerzhaft. Ich konnte es nicht realisieren – was passierte da nur?


Wir saßen später in der Familie gemeinsam zusammen und verstanden noch immer nicht was passierte. Abends kam meine Tochter nach Hause und ich musste ihr mitteilen, dass unser Onkel Ludwig, mein Herzens Papa, ihr Opa Ersatz gestorben ist. Weiters musste ich ihr sagen, dass der Familienhund Campi von meiner Familie in Wolfsberg ein paar Tage zuvor eingeschläfert wurde. Sie wuchs mit diesem Hund gemeinsam auf. Es war grauenhaft. Die nächsten Tage waren schwer.


Ich bin überaus dankbar, dass Herr Pansy von der Pax Bestattung Kärnten uns in diesen Tagen rund um die Verabschiedung meines Herzens Papas zur Seite stand. Ich hatte mit ihm und Herrn Sternig bereits sehr guten Kontakt betreffend die Vernetzung der aktiven Sternenkindhilfe – weiters hat Herr Pansy auch unsere zwei Sternenkinder verabschiedet. Er nahm sich unglaublich viel Zeit für die Erstellung der Parte, für unsere individuellen Wünsche und für die Gestaltung der Trauerfeier, welche ich gemeinsam mit meiner Herzensmama voll und ganz durchplante. Ein besonderes Danke auch an Herrn Nagele, welcher uns Beistand leistete. Ich arbeitete bis spät in die Nacht, um alles perfekt hinzubekommen – das Abschiedsritual – die Trauerfeier bei der Konditorei Fahrnberger – alles plante ich bis ins letzte Detail. Ich weiß, meinem Herzens Papa hätte es sehr gefallen – mich lenkte es ab und es half mir selbst alles zu verarbeiten. Und dann kam er, der 15.10.2022. Der Tag der Verabschiedung. Meine Tochter Sophie wollte unbedingt eine Rede halten – ich versuchte sie zu überzeugen, dass es vielleicht zu viel für sie wäre. Ihre Worte „Mama, der Onkel Ludwig war so gut zu mir, der war wie mein Opa, ich kann gar nicht anders als ihm was zu sagen“ trafen mich wie ein Stich ins Herz. Ihr Gedicht schrieben wir gemeinsam – es war ihr so wichtig, dass es sich reimt und dass alles, was ihr wichtig war auch vorhanden sein konnte.


Die Verabschiedung war genau so, wie wir sie geplant hatten. Voller kleiner Gestern der Liebe, der Dankbarkeit und der Momente der Erinnerung. Die beste Freundin meiner Herzensmama Gerlinde hielt eine Rede, die kein Auge trocken gelassen hat. Das Gedicht meiner Tochter Sophie war unglaublich berührend, mir fehlen heute noch die Worte für diese unglaubliche Kraft vor fast hundert Personen so etwas persönliches und Liebevolles vorzutragen. Danke auch an Mini und an Heike für die berührenden Worte. Danke auch an die unzähligen Menschen die mit meinem Herzens Papa seinen letzten Weg beschritten haben. Es war genau so, wie er es wollte. Alle, die er dabei haben wollte waren da. Alle, die ihm zur Lebzeit immer gut gesinnt waren, die ihm ehrlich und positiv gegenüber standen konnten auch diese letzte Abschiedsfeier mit ihm verbringen.


Lieber Herzens Papa, ich danke dir für deine unglaubliche Güte, für deine Herzlichkeit und deine unglaubliche Liebe hinter deiner harten Schale. Für das, dass du mich aufgenommen hast, so wie ich bin, mit all meinen guten und all meinen verbesserungswürdigen Seiten. Und ich vermisse deine Anrufe mit „Hallo Töchterlein, ich hätte wieder eine Amazon-Bestellung“! Ich danke dir von ganzem Herzen, dass du mich nie verurteilt hast, dass du in guten wie in schlechten Zeiten für mich und meine Familie da warst und ich immer Willkommen war. Emotional und finanziell. Danke, dass du immer an uns geglaubt hast, danke für das Helfen bei den ganzen Umsiedelungen. Danke, dass du unseren Kindern der Opa warst, den sie nie hatten und nie mehr haben werden. Danke für all die ehrliche Liebe, dein Verständnis für unsere Kinder und die Zeit, die du mit ihnen hattest – es war eine Bereicherung für ihr Leben. Simon vermisst das Auto spielen mit dir, und Sophie vermisst dich auch so sehr – vor allem deinen Humor. und die vielen Süßigkeiten die du immer in deiner Jackentasche hattest. Danke, für all das, was du uns gelehrt hast – was wir vielleicht erst jetzt oder später verstehen. DU bleibst für immer in unserem Herzen, du bleibst ein Teil unserer Familie. Und du fehlst. Tag für Tag.



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